Der tragische Held
(erschienen in FORWARD 5/2009, S. 61)
Es war das Schlüsselspiel im West-Halbfinale. Dallas musste die dritte Begegnung gegen Denver gewinnen, um nicht aussichtslos mit 0-3 in Rückstand zu geraten. Es war ein “Do-or-Die”-Spiel, wie die Amerikaner sagen. Dirk Nowitzki hatte sich ob der aufflammenden Geschehnisse in seinem Privatleben – seine angebliche Freundin Cristal Taylor wurde wegen Rechtswidrigkeiten verhaftet – nichts anmerken lassen und auf dem Platz die richtige Antwort gegeben.
Ohnehin zeigte der Deutsche zuvor, dass es kein Gegenmittel für ihn gibt. Nach einem Schnitt von 31,5 Punkten, 9,5 Rebounds und vier Assists in den ersten beiden Spielen war der Mavs-Star auch im dritten Duell der herausragende Spieler: Insgesamt erzielte er 33 Punkte und 16 Rebounds. Doch der Sieg war damit längst nicht sicher. Obwohl Dallas 31 Sekunden vor Schluss mit vier Zählern führte, gab sie das Spiel noch aus der Hand. Denvers Carmelo Anthony versenkte einen Dreier zum 106:105-Sieg eine Sekunde vor dem Ende. Zuvor hätte Nowitzki das Spiel entscheiden können, aber vier Versuche aus dem Feld fanden nicht die Mitte des Rings.
Das Saisonaus der Mavericks war damit so gut wie besiegelt. “Das ist eine der schlimmsten Niederlagen in meinen elf NBA-Jahren”, sagte Nowitzki nach der Partie. Im vierten Spiel verbrannte Nowitzki das Nuggets-Netz mit 44 Punkten, davon 19 im Schlussviertel. Letztlich konnte Dallas eines 119:117-Erfolgs auf 1-3 verkürzen. Dennoch standen die Chancen schlecht für ein Weiterkommen: Nie holte ein NBA-Team einen 0-3-Rückstand in den Playoffs auf.
Nach einer Spielzeit wie eine Achterbahnfahrt schaltete Dallas in der ersten Playoff-Runde die San Antonio Spurs bravourös mit 4-1 aus. Der Würzburger war dort nicht so auffällig (19,2 PpS, 8,6 RpS), gereicht hatte es trotzdem. Gegen Denver wurde er zum tragischen Helden. Der Traum vom Titel bleibt vorerst unerfüllt.
Playoffs: Trifft Dirk auf Kobe?
(erschienen in FORWARD 4/2009, S. 56)
Verpasst Dirk Nowitzki zum dritten Mal in seiner NBA-Karriere die Playoffs? Die Dallas Mavericks hatten ihr Ticket bei Redaktionsschluss keineswegs sicher in der Tasche, zu eng ging es im Westen zu. Die Texaner kamen daheim, gegen Denver unter die Räder (101:103) und bekamen eine deftige Klatsche bei den Cleveland Cavaliers (102:74) verpasst.
Der Grund zur Besorgnis: Verfolger Phoenix wahrt noch Minimalchancn und hat den leichteren Restspielplan als die Mavs. Allerdings unterlagen die Suns überraschend gegen Kellerklub Sacramento.
Es ist also alles offen bis zum Ende der Hauptrunde am 15. April. Dann könnte die Saison jedoch ganz schnell vorbei sein. In der ersten Playoff-Runde lauern nämlich die Los Angeles Lakers. Die Kalifornier gewannen dieses Spieljahr als einziges Team im Westen über 60 Partien und sind heiß auf die Meisterschaft. Zuletzt gingen Nowitzki und Co. sechs Mal leer aus gegen Kobe Bryant und sein Gefolge.
Ein Fünkchen Hoffnung bleibt trotzdem. Je nach Ausgang der verbleibenden Spiele und dem Abschneiden der Konkurrenz könnte Dallas das sichere Erstrunden-Aus gegen den Vizemeister noch vermeiden. Der Heimvorteil in der Postseason ist aber auch in diesem Jahr außer Reichweite.
Diese Nachrichten lassen die deutschen Titelträume verblassen. Trotzdem steht Nowitzki erneut im Rekordbuch der Texaner: In über 15 Spielen in Folge erzielte der Würzburger mindestens 20 Zähler – nur Ex-Mavericks Mark Aguirre gelang das ebenfalls in seiner Laufbahn.
Stürmische Zeiten
(erschienen in FORWARD 3/2009, S. 59)
Unruhe in Dallas. Die Dallas Mavericks sind zurzeit nur Mittelmaß. Nach knapp drei Vierteln der Saison stehen sie zwar noch auf einem Playoff-Platz, doch die Phoenix Suns (derzeit 9. Platz im Westen) lauern bereits dahinter. Da passt es gar nicht, dass bei den Texanern neben der spielerischen Flaute auch noch Druck von oben kommt: Besitzer Mark Cuban platzte nach der peinlichen 87:96-Schlappe gegen die Oklahoma City Thunder der Kragen. Er kritisierte die Einstellung seiner Spieler und will den Kader im Sommer umbauen, wenn der Erfolg ausbleibt. Sprich: Wenn die Playoffs verpasst werden.
Sollte Dallas die Qualifikation zur Meisterrunde misslingen, liegt es sicher nicht an Dirk Nowitzki. Nach einem kleinen Formtief Mitte Februar (in vier Spielen kam er nur auf 37,5 Prozent Wurfquote und nicht auf mehr als 14 Zähler) knüpft der achtfache NBA All-Star an gewohnte Leistungen an. In den ersten fünf Spielen im März legte der Deutsche durchschnittlich 27,4 Punkte (50,5% FG) und 8,6 Rebounds auf. Doch Siege und Niederlagen wechselten sich weiterhin ab. Mal gewannen die Mavericks gegen San Antonio (107:102), dann verloren sie deutlich gegen New Orleans (88:104). Zuletzt verlor Dallas gar fünf Auswärtsspiele in Folge. “Auswärts sehen wir nicht gut aus”, sagt Nowitzki. “Gute Teams gewinnen in fremder Halle, vor allem in den Playoffs.”
Das sicher geglaubte Playoff-Ticket ist also in Gefahr. “Wir wollen nicht nur auf Phoenix schauen, sondern auch nach oben”, meint Nowitzki. Verpasst Dallas aber die Postseason, stehen stürmische Zeiten bevor.
Der loyale All-Star
(erschienen in FORWARD 2/2009, S. 55)
Zehn Jahr spielt Dirk Nowitzki mittlerweile in der NBA. Am Jubiläumstag (5.2.) gab es bei den Utah Jazz (87:115) nichts zu feiern, dafür ließ der deutsche Exportschlager zwei Tage später gegen Chicago die Korken knallen: 44 Punkte, davon allein 14 in der Verlängerung, brachten sein Team auf die Siegerstraße. “Eine unglaubliche Vorstellung”, staunte sein Coach Rick Carlisle danach.
Vergessen war damit ein durchwachsener Januar, in dem sich herbe Niederlagen (z.B. ein 99:133 in Milwaukee oder ein 100:124 in Boston) und Erfolge (u.a. 117:93 gegen Golden State) abwechselten. Erwähnenswert ist auch der Gamewinner, mit dem Nowitzki die Partie in Philadelphia entschied. “Ich bin ein Schütze”, sagte der Deutsche nach dem Spiel. “Ich denke immer, dass der nächste Wurf reingeht.” Mit 30 Siegen aus 50 Begegnungen hat Dallas derzeit gute Karten im Kampf um die Playoffs.
Etwas leiser ist es hingegen um Nowitzki selbst geworden. Ende Januar sorgte der Würzburger für Aufsehen, als er sich über die Zukunft in Dallas äußerte. “Sollte dieses Team dadurch besser werden, dass ich es verlasse, dann verstehe ich das”, meinte er mit Blick auf die bevorstehende Wechselfrist Mitte Februar. “Ich weiß, wie das Geschäft funktioniert.”
Obwohl Besitzer Mark Cuban daraufhin betonte, seinen Schlüsselspieler nicht abzugeben, muss in der NBA mit allem gerechnet werden. Dennoch gesteht Dirkules: “Ich habe mein Herz und meine Seele in diesen Klub gesteckt.” Dieser Ehrgeiz wurde mit der achten All-Star-Nominierung seiner Karriere belohnt.
Strafe und Super-Sieg
(erschienen in FORWARD 1/2009, S. 57)
Nach einem verkorksten Saisonstart (zwei Siege aus neun Spielen) sind die Dallas Mavericks in der Erfolgsspur. Seit dem 14. November haben sie von den nächsten 25 Spielen nur sechs verloren. Grund dafür ist der neue Teamgeist – und Dirk Nowitzki. Der Deutsche legt wieder Zahlen wie in der Saison 2005/06 auf: 26,2 Punkte, 8,5 Rebounds und 2,6 Assists pro Spiel.
Dass die Moral in der Mannschaft nicht vom Würzburger abhängt, zeigten die Texaner, als Nowitzki gesperrt war. Für ein unsportliches Foul gegen Utahs Matt Harpring musste das “German Wunderkind” ein Spiel aussetzen und 165.000 Dollar Strafe zahlen (1/110 seiner Jahresgehalts). Obwohl die Nachricht von der Disqualifikation die Mavs erst drei Stunden vor dem nächsten Spiel (gegen die LA Clippers) erreichte, gewannen sie auch ohne ihren Anführer deutlich. “Sie konnten uns gestern nichts dazu sagen, weil die Untersuchungen noch andauern würden. Also dachte ich zunächst, es sei ein Scherz gewesen”, konnte der Gescholtene die kurzfristige Sanktion kaum begreifen.
Bei seiner Rückkehr stellte Dallas dann einen Rekord auf: Gegen Minnesota wandelten sie einen 29-Punkte-Rückstand in einen Sieg um – das größte Comeback der Teamgeschichte. “Nach der hässlichen ersten Hälfte hat es uns viel Kraft gekostet, um zurück zu kommen”, sagte der Würzburger nach der Begegnung.
Wann Dallas weiterhin so erfolgreich spielt, ist die neunte Playoff-Teilnahme in Folge kein Wunschdenken. “Es geht nur ums Gewinnen”, zeigt sich der große Blonde selbstbewusst.
