Vertragspoker für einen Traum
(erschienen in FORWARD 3/2010, S. 53)
Es ist ein offenes Geheimnis. Dirk Nowitzkis Traum ist der Gewinner der NBA-Meisterschaft. Wenn im Oktober die 13. Spielzeit für den Würzburger in der US-Profiliga beginnt, könnte beim großen Blonden vieles neu sein. Denn nach dem unsäglichen Playoff-Aus in der ersten Runde gegen die San Antonio Spurs (4-2), ließ Nowitzki offen, wie es mit ihm und den Dallas Mavericks weitergeht. Dies sorgte für Besorgnis beim Arbeitgeber des deutschen Superstars, besitzt dieser doch eine Ausstiegsklausel in seinem Vertrag, um im Sommer 2010 mit jedem Team der Liga um einen neuen Deal zu verhandeln. Bis Ende Juni hatte Nowitzki Zeit, diese Option zu ziehen oder den bestehenden Vertrag bis Sommer 2011 weiterlaufen zu lassen.
Wie jedoch seitens der Mavericks durchsickerte, stehen die Zeichen wohl auf Wiederverpflichtung des Wertvollsten Spielers von 2007. Ein Vertragsausstieg bringt Nowitzki in diesem Fall in die Position, um einen neuen Kontrakt zu verhandeln, bei dem er weniger Gehalt in Kauf nimmt. Der Grund ist einfach: Mit dem auf diese Weise frei gewordenen Budget soll ein zweiter Superstar nach Dallas gelockt werden, um den Traum des Dirksters wahr werden zu lassen. Immerhin ist der Sommer mit vertragslosen Superstars wie zum Beispiel LeBron James überflutet. Dieser Schachzug kann sich in zweierlei Hinsicht als Glücksgriff entpuppen: Einerseits ist Nowitzki nicht mehr das Zentrum der Mavs-Offensive und kann mit einem hochkarätigen Star an seiner Seite ernsthaft nach dem lang ersehnten Titel greifen, andererseits wäre die WM-Teilnahme nicht in Gefahr, weil ein neuer Arbeitgeber wohl kaum ein Verletzungsrisiko eingehen würde.
„Dirk wird das tun, was ihm die größte Chance eröffnet, um Meister zu werden“, erklärt Bundestrainer Dirk Bauermann. Geld spielt für den Nowitzki keine große Rolle dabei. Es ist also gut möglich, dass zur kommenden Spielzeit ein neuer Star im Mavericks-Trikot mit Deutschlands Ausnahmebasketballer nach dem Titel jagen wird.
Meilensteine und neue Kollegen
(erschienen in FORWARD 2/2010, S. 55)
Dirk Nowitzki wurde jüngst alleiniger Rekordhalter der Mavericks bei absolvierten Spielen und durchbrach als 34. NBA-Spieler überhaupt die 20.000-Punkte-Marke. Zudem musste der Deutsche nach über zehn Jahren wieder auf der Bank schmoren, durfte jedoch beim All-Star Game in Dallas vor über 100.000 Zuschauern starten und war stolz, Teil der Geschichte zu sein. Außerdem bekam er gleich drei neue Mitspieler.
Seit nunmehr zwölf Spielzeiten wirft Dirk Nowitzki seinen Körper für die Dallas Mavericks Abend für Abend in die Schlacht. Man möchte meinen, dass der Deutsche in den über 900 Partien seiner Karriere schon alles erlebt hat, was es zu erleben gibt. Doch dem ist nicht so. Jede Begegnung mag zwar nach gleichem Schema ablaufen, doch die statistikvernarrten Amerikaner decken häufig genug Schätze auf, die sonst im Verborgenen geblieben wären.
So zum Beispiel auch im Spiel gegen Minnesota, das die Mavericks mit 108:117 verloren. Das besondere daran war neben dem Ergebnis – während Dallas zu den Topteams zählt, kleben die Timberwolves am Tabellenende – die Sorge um Nowitzki selbst. Beim Warmup fehlte vom Superstar jede Spur. Weil er knapp eine halbe Stunde zu spät zum Aufwärmprogramm seiner Mannschaft erschienen war, traf er selbst die Entscheidung, zunächst auf der Bank Platz zu nehmen. In seiner gesamten Karriere stand Nowitzki erst 25 Mal zu Beginn einer Partie nicht in der Anfangsformation. “Ich wollte meinen Fehler ausbaden und habe mich zuerst aus dem Spiel genommen”, sagte Nowitzki, der bei All-Star Game in Dallas keine Zeit hatte, sich zu verspäten. Beim Superstar-Treffen stellte ihm die NBA und sein Klub gleich zwei Helfer zur Seite, die seine Termine koordinieren. Zwei wichtige Punkte standen für den neunmaligen NBA All-Star auf dem Programm. Beim Shooting Star-Wettbewerb, bei dem neben einem aktiven NBA- und WNBA-Spieler auch ein TV-Kommentator teilnahm, war der 2,13 Meter große Blondschopf erstmals dabei. Seine Teamkollegen waren Becky Hammon (San Antonio) und Kenny Smith (ehem. Houston). Im Duell der Superstars versuchte Nowitzki dann u.a. mit seinen Nationalmannschaftskollegen Chris Kaman (LA Clippers), den Osten zu bezwingen.
Bereits im Vorfeld war die Freude auf das Event groß, wurde doch das Spiel der Superstars im neugebauten Football-Stadion der Dallas Cowboys ausgetrage. Dort fanden etwa 90.000 Zuschauer Platz. „Das ganze Wochenende war eine Riesensache“, sagte Nowitzki. „Es ist spannend, Teil der Geschichte gewesen zu sein“. Nie zuvor gab es ein Basketball vor einer derartigen Kulisse. Nowitzki selbst bedauerte es jedoch ein wenig, beim All-Star Game nicht als Starter in seiner NBA-Heimat auflaufen zu dürfen. „Dieses Jahr war ich ein wenig enttäuscht, weil es eben in Dallas ist. Es wäre eine schöne Sache gewesen, wenn ich als Starter von den Fans gewählt worden wäre. Aber dabei sein, ist alles.“
Bei den derzeitigen Leistungen der Dallas Mavericks sieht nämlich alles nach der zehnten Playoff-Teilnahme in Folge aus. Nowitzkis Werte von über 23 Punkten, sieben Rebounds und zwei Assists pro Spiel sind unmittelbar mit dem Erfolg der Texaner verknüpft. Im Januar wurde der Würzburger alleiniger Club-Rekordhalter in absolvierten Spielen, als er Brad Davis (882 Spiele) überholte. Zudem knackte er als erster europäischer NBA-Spieler überhaupt die 20.000-Punkte-Marke. „Die 20.000er-Marke geknackt zu haben, ist schon eine schöne Sache. Aber im Moment bedeutet mir das nicht so viel, weil ich die Meisterschaft noch nicht gewonnen habe. Daran arbeiten wir alle in Dallas. Ansonsten gab es auch bei mir einige Aufs und Abs. Ich habe mich besonders im November fitter gefühlt als im Vorjahr. Da habe ich schon gemerkt, dass mir die lange Sommerpause und der Verzicht auf die Europameisterschaft gutgetan haben.“
Nowitzki kurz vor Jubiläum
(erschienen in FORWARD 1/2010, S. 58)
Dirk Nowitzki wird um den Jahreswechsel aller Voraussicht nach ein weiteres Highlight seiner Karriere feiern dürfen. Er wird in den Klub der Spieler vordringen, die in ihrer NBA-Karriere über 20.000 Punkte erzielt haben. Der Würzburger präsentiert sich nach einem spielfreien Sommer in beeindruckender Form und überzeugt einmal mehr als uneingeschränkte Führungsfigur bei den Dallas Mavericks.
Dirk Nowitzki beschenkt sich selbst. Zwar wird es wohl nicht ganz hinkommen, dass sich der deutsche Superstar in Diensten der Dallas Mavericks zum Weihnachtsfest wegen eines beeindruckenden Meilensteins selbst feiern darf, doch zur Jahreswende dürfe es soweit sein. Als erster Europäer überhaupt wird Dirk Nowitzki dann die 20.000-Punktemarke als NBA-Spieler durchbrechen. Selbst das Jugendidol des Würzburgers, Scottie Pippen, kam nicht auf solch eine statistische Referenz. Der sechsfache Meister mit den Chicago Bulls belegt in der ewigen Korbjägerliste mit 18.940 Zählern den 46. Platz, Nowitzki dürfte am Ende der Spielzeit mühelos in die Top30 vordringen.
Der Grund für diesen Optimismus ist die bestechende Form, in der sich der 2,13-Meter-Riese seit dem ersten Sprungball in der Saison 2009/10 präsentiert. Während seine Kollegen das ein oder andere Spiel wegen kleineren Verletzungssorgen aussetzen müssen, ist Nowitzki die Konstante im Team der Texaner. Als Fels in der Brandung produziert das „German Wunderkind“ im Schnitt 27 Punkte, neun Rebounds und drei Assists pro Begegnung. Auch in der Abwehr hat der große Blonde zugelegt und geht wesentlich aggressiver und energiegeladener zu Werke. Nowitzkis starke Vorstellungen resultieren aus dem spielfreien Sommer. Erstmals seit Beginn seiner Laufbahn lief der Weltstar nicht fürs Nationalteam auf, stattdessen ruhte er sich aus und trainierte in gewohnter Manier mit seinem Mentor Holger Geschwindner.
Die frische Spielweise drückt sich vor allem in den individuellen Vorstellungen des einzigen deutschen NBA-Legionärs aus: Regelmäßig sammelt er mindestens 20 Zähler und ist da, wenn es darauf ankommt. San Antonio und Utah legte er 40 oder mehr Punkte in den Korb, gegen Milwaukee tütete er mit der Schlusssirene den Siegtreffer ein. Gegen die Jazz erzielte Nowe ganze 29 seiner 40 Zähler in nur zehn Minuten. „Wir haben ihn immer weiter gefüttert. Es lief einfach bei ihm, er war nicht zu stoppen“, jubelte sein neuer Kollege Shawn Marion. Wenn es also wichtig ist, springt Nowitzki in die Bresche. Das spiegelt sich auch in der Bilanz der Mavs wieder; Dallas hat sich in der Tabelle im Westen am oberen Ende festgebissen. Wenn es also so weiter geht, kommt Nowitzki aus dem Feiern gar nicht mehr heraus.
„Einige gute Schachzüge“
(erschienen in FORWARD 6/2009, S. 65)
Die zwei wichtigsten Meldungen vorweg: Dirk Nowitzki wird nicht Vater. Seine inhaftierte Verlobte Christal Taylor ist nicht schwanger, obwohl Gerüchte einen Großteil des Sommers über anderes behauptet hatten. Und der deutsche NBA-Superstar erwägt keinen Abschied aus der Basketball-Nationalmannschaft. „Es ist kein Rücktritt“, erklärte der 31-Jährige vor den kontinentalen Titelkämpfen im August. Nach dem Ausscheiden der neuformierten DBB-Garde liebäugelt der 2,13-Meter-Riese bereits sowohl mit der WM-Teilnahme 2010 in der Türkei („Das würde mir schon Spaß machen“) als auch mit London 2012: „Wenn eine reelle Chance auf die Olympia-Teilnahme bestünde, würde ich das gerne noch einmal erleben.“
Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg und noch mindestens ein Vertragsjahr im Trikot der Dallas Mavericks. Das Team, für das der gebürtige Würzburger nun in seine zwölfte NBA-Saison geht, hat im Sommer einen frischen Teilanstrich erhalten. Die neuen Mitspieler in Texas heißen Drew Gooden, Quinton Ross, Tim Thomas und Shawn Marion. Sie sollen die fehlenden Puzzleteile auf dem Weg zur Meisterschaft sein. „Mit gefällt, wo wir gerade sind“, meinte Nowitzki während der Sommerpause, in der er mit seinem Mentor Holger Geschwindner einen längeren Urlaub in Afrika verlebte. „Ich denke, dass wir in diesem Sommer einige gute Schachzüge gemacht haben. Jetzt müssen wir dem Ganzen einfach ein wenig Zeit geben, sodass wir zusammenwachsen können.“
Mavericks-Besitzer Mark Cuban hat also sein Wort gehalten und die angestrebten Veränderungen der Mannschaft vorgenommen. Das war im letzten Jahrzehnt bereits häufiger der Fall; nur Nowitzki blieb als Zentralgestirn. Die Co-Stars an der Seite des Deutschen kamen und gingen: Erst Steve Nash und Michael Finley, dann Antawn Jamison und Antoine Walker, später Devin Harris und Josh Howard. Nun sollen Jason Kidd und Shawn Marion Nowitzki zum ganzen großen Wurf, der NBA-Meisterschaft, verhelfen. Dass das nicht einfacher wird, weiß der große Blonde, gerade im Hinblick auf die Verstärkungen der Konkurrenz. Dennoch zeigt er sich weiterhin optimistisch: „Ich will mit den Mavericks den Titel, weil ich mit der Stadt und dem Team irgendwie verwachsen bin. Nur wenn das absehbar nicht läuft, wäre ich wechselbereit.“
Die Dallas Mavericks peilen in der Saison 2009/10 zum zehnten Mal in Folge an, in der Hauptrunde mindestens 50 Spiele zu gewinnen. In dieser Zeit hat es nur einmal (2006) zur Vizemeisterschaft gereicht. Während die anderen Teams im NBA-Westen über diesen Zeitraum ab und an schwächelten und nur die San Antonio Spurs konstant erfolgreicher waren, wird wohl auch in der neuen Saison der Höhenflug der Mavericks anhalten. Ob die von Stars beladene Formation (Jason Terry, Kidd, Howard, Marion, Nowitzki) aber am Ende jubeln kann, bleibt abzuwarten. Die Vorzeichen stehen jedenfalls ähnlich gut wie in den vergangenen Jahren.
